inzwischen

Seit dem Tag, an dem die Zeit erstmals exakt gemessen werden konnte, wird sie vom Menschen als Besitztum wahrgenommen. Die Tatsache, dass wir »Zeit haben« oder »Zeit ist Geld« sagen, weist darauf hin, dass Zeit für uns nicht nur besessen, sondern auch kontrolliert und gehandelt werden kann. Für die meisten Menschen ist Arbeit ein Tausch von Zeit gegen Lohn. Heute scheint Zeit, mehr denn jemals zuvor, das wertvollste Gut der Menschen zu sein. Die Tatsache, dass wir die höchste Lebenserwartung in der Geschichte haben, scheint uns dennoch nicht mehr Zeit zu geben, das Gegenteil ist der Fall. Das wirft die Frage auf, wie wir Zeit wahrnehmen und was diese Zeitwahrnehmung beeinflusst. Wie verändert der westliche, industrialisierte Lebenswandel unseren Sinn für die Zeit?

Detail des Aufbaus

In einer technisierten Welt, in der alles um Aufmerksamkeit kämpft, lässt sich das Gefühl, alles wolle einen der eigenen Zeit berauben, nur schwer abstellen. Die vernetzte Welt erschafft eine leidvolle Empfindung der Gleichzeitigkeit, die uns glauben lässt, dass wir jederzeit – unabhängig davon, was wir gerade tun – etwas verpassen. Permanent mit allem und jedem verbunden zu sein führt dazu, dass wir uns zunehmend vom Menschsein entfremden.

  • 450 Quartzuhrwerke wurden verwendet
  • Die Uhren sind direkt in den Boden des Raumes gesteckt
  • Die Installation wird zum Teil des Raumes
  • Detailansicht des Aufbaus
  • Viele Interessierte kamen zur Vernissage
  • Besucher konnten zwischen den Uhrwerken hindurch gehen

Der Aufbau bietet dem Besucher die Möglichkeit, seine eigene Zeitwahrnehmung zu hinterfragen und zu erforschen. Die Anordnung gewöhnlicher Quartzuhrwerke im Raum lädt dazu ein, Zeit visuell und akustisch zu erleben. Ihr Ticken schafft eine begehbare Klanglandschaft. Durch kleinste, durch die Einzigartigkeit der Quartze bedingte Frequenzunterschiede, verändert sich der Rhythmus permanent und wird von jedem Punkt im Raum aus anders wahrgenommen. Die roten Sekundenzeiger machen diesen Rhythmus sichtbar, ihr Zucken verleiht dem Gesamtbild die Anmutung eines großen, im ständigen Wandel begriffenen Organismus.

Ausstellungsplakat

Entstanden ist die Arbeit als Masterprojekt im Studiengang Leadership in the Creative Industries am Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt sowie am Cork Institute of Technology in Irland. Präsentiert wurde sie im Rahmen der Ausstellung »zeitweisen«, die vom 10. bis zum 14. März 2017 im Blumen in der Hügelstraße 77 in Darmstadt zu sehen war.

Fotografie: Felix Schöppner